Hubtertus Halbfas übt mit seinem neuen Buch “Religionsunterricht nach dem Glaubensverlust” fundamental Kritik an Lehrplänen, Religionsbüchern und dem derzeitigen Konzept der Kompetenzorientierung.
Halbfas betont schon im Vorwort, er habe sich „für dieses Buch jede Freiheit genommen, zu sagen, was zu sagen ist“ und holt aus zu einem harschen bis polemischen Rundumschlag gegen die religionspädagogische Entwicklung der letzten Jahrzehnte.
Reiner Jungnitsch hat das Buch gelesen und schreibt in seiner Rezension über Halbfas: “Mag seine beißende Kritik auch teilweise zu pauschal oder überzogen sein, man wird einem zornigen alten Mann, der maßgebliches für die Religionspädagogik geleistet hat, nicht verübeln, wenn er in ungeschminktem Klartext benennt, wo der christliche Glaube und seine kirchliche wie schulische Vermittlung im Argen liegt und verändert werden muss.”
Hier geht zur Rezension von Reiner Jungnitsch zum neuen Buch von Hubertus Halbfas

Das neue Buch von Hubertus Halbfas provoziert sowohl Zuspruch als auch Widerspruch. Man wird angesichts der dort zahlreich angesprochenen Themen sorgfältig differenzieren müssen. Mich interessiert u.a. besonders der Rückblick auf 40 Jahre Religionspädagogik, S. 84 ff. Diesen Zeitraum hat er als sehr schreibfreudiger Autor doch erkennbar mitgeprägt. Unverständlich bleibt mir allerdings das pauschale Urteil: “Der kerygmatische, hermeneutische, problemorientierte Religionsunterricht … haben ein wirklich didaktisches Denken verhindert” (85). Vor 40 Jahren fing ich an, mich als Student mit Religionspädagogik zu beschäftigen. Ich habe in dieser Zeit starke Prägungen erlebt, die ihre Wirkungen bis heute zeigen. In der Schulpraxis habe ich nie e i n e religionspädagogische Konzeption in Reinform erlebt. Oftmals hatte ich den Eindruck, die Konzeptionen wurden nur für akademische Lehrbücher entwickelt. Die guten Praktiker führten häufig einen vielschichtig orientierten und motivierten Unterricht durch, der an den Schülern und an der Sache gleichermaßen interessiert war.
Halbfas’ Kritik geht m.E. hier zu weit. Er bemängelt dann weiter, dass seine Schulbücher nicht angemessen Resonanz gefunden hätten und dass die von ihm stets als vorrangig betrachtete religiöse Sprachlehre – Metapher und Symbol erkennen und deuten – in der Fachwelt und in der Schulwirklichkeit (noch) nicht akzeptiert worden seien.
Gekränkte Eitelkeit oder realistische Einschätzung? – Egal, mir ist etwas anderes wichtig:
Hubertus Halbfas hat Tausenden von Lehrkräften auf Fortbildungen und Tagungen Mut gemacht und ein Gespür dafür vermittelt, dass der Umgang mit Religion Tiefen in der eigenen Seele und in den Herzen der Schüler anrührt. An diesem Verdienst ist nicht zu rütteln! Immer wieder habe ich in seinen Schulbüchern und Lehrerhandbüchern gelesen und mich davon inspirieren lassen.
Hubertus Halbfas und seine Bücher sind ein großes Geschenk, für das ich dankbar bin!